{"id":1230,"date":"2024-10-30T15:02:05","date_gmt":"2024-10-30T14:02:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.antecedo.eu\/?p=1230"},"modified":"2024-11-05T10:34:19","modified_gmt":"2024-11-05T09:34:19","slug":"donald-und-das-inflationsrisiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antecedo.eu\/en\/donald-und-das-inflationsrisiko\/","title":{"rendered":"DONALD UND DAS INFLATIONSRISIKO"},"content":{"rendered":"<p>Schon in unserem Jahresausblick f\u00fcr 2024 hatten wir die Wahlchancen von Trump und Biden mit 60 zu 40 beziffert. Und nach dem f\u00fcr Biden desastr\u00f6sen ersten Fernsehduell haben sich dessen Wahlchancen eher noch verschlechtert. Es besteht nat\u00fcrlich immer noch die M\u00f6glichkeit, dass Biden Pr\u00e4sident bleibt, wenn die \u201eblaue Mauer\u201c aus den n\u00f6rdlichen Swing States h\u00e4lt, doch sehr wahrscheinlich ist dies nicht. Vier Monate vor der Wahl hei\u00dft der Favorit Donald Trump. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie wir immer wieder betonen, investieren wir bei Antecedo nicht auf Basis von Prognosen. Deshalb gibt es von uns nie die Aussage, \u201edas muss jetzt so kommen\u201c. Die Zukunft ist offen und besteht aus einer Vielzahl m\u00f6glicher Entwicklungen. Doch als Risikomanager, als den wir uns bei Antecedo prim\u00e4r sehen, suchen wir vor allem nach Risikoszenarien, die entgegen den allgemeinen Erwartungen doch eintreten k\u00f6nnen. Und ein solches Szenario, das vielleicht eine gar nicht so geringe Eintrittswahrscheinlichkeit hat, sehen wir in den wirtschaftlichen Pl\u00e4nen Donald Trumps. Dass die B\u00f6rsen in einem Wahlsieg Trumps bisher keine Risiken sehen, liegt vermutlich an der historischen Erfahrung aus dessen erster Amtszeit. Bei allen Skandalen und erratischen Entscheidungen war diese Zeit nicht schlecht f\u00fcr die Kapitalm\u00e4rkte. Vor allem wenn man bedenkt, dass auch die Coronakrise in diese Amtszeit fiel. Die erste Graphik zeigt die Entwicklung der amerikanischen Aktienm\u00e4rkte von Trumps Wahl am 08.11.2016 bis zur Abwahl am 03.11.2020. Zum Vergleich haben wir hierzu, auf der gleichen Zeitachse also tats\u00e4chlich zeitversetzt, die Wertentwicklung der Aktienindizes seit der Wahl Bidens bis zum aktuellen Rand mit angegeben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"635\" height=\"313\" src=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1231\" srcset=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-7.png 635w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-7-300x148.png 300w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-7-18x9.png 18w\" sizes=\"(max-width: 635px) 100vw, 635px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch so beruhigend dies auf den ersten Blick aussieht, so anders als 2016 ist die Situation heute. Damals war Trump, vermutlich auch f\u00fcr ihn selbst, \u00fcberraschend in das Amt gekommen. Er ben\u00f6tigte lange Zeit, um neben seinen Lieblingsprojekten (Grenzmauer zu Mexiko, Abschaffung Obamacare, Austritt aus dem Klimaabkommen, Senkung der Unternehmenssteuern) weitere Themenkreise anzugehen, wobei die meisten Initiativen sich im parlamentarischen Verfahren festfuhren. Auch weil die Republikaner in den Zwischenwahlen 2018 die Mehrheit im Repr\u00e4sentantenhaus schon wieder verloren. Dabei war die gesamte Amtszeit gepr\u00e4gt von extrem h\u00e4ufigen Personalwechseln. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des ersten Amtsjahres hatten 34 % der von Trump eingesetzten F\u00fchrungspersonen ihre Posten bereits wieder verlassen. Heute dagegen wird seine erneute Amts\u00fcbernahme generalstabsm\u00e4\u00dfig vorbereitet. Dabei st\u00fctzt sich Trump auf isolationistische oder evangelikale Kreise, die eigentlich nicht zu seiner Kernanh\u00e4ngerschaft geh\u00f6ren und die zuerst einmal die Ablehnung des \u201ewoken\u201c Amerikas, mit allen seinen Ausw\u00fcchsen, eint. Dabei ist Trump jetzt nicht mehr der Einzelk\u00e4mpfer an der Spitze einer Protestbewegung, sondern zumindest verbunden mit den Ideen ultra-konservativer Interessengruppen, die nur mit Trump zusammen auf eine Mehrheit hoffen k\u00f6nnen. Und diese Mehrheiten betreffen in den kommenden Wahlen nicht nur das Pr\u00e4sidentenamt. Denn nach derzeitigen Meinungsumfragen ist es sehr wahrscheinlich, dass die Republikaner sowohl im Repr\u00e4sentantenhaus als auch im Senat eine Mehrheit haben werden. Und diese geballte Macht, mit einem obersten Gerichtshof, der schon jetzt \u00fcberwiegend republikanisch besetzt ist, soll genutzt werden, um z\u00fcgig Amerika nach den Vorstellungen der mit Trump verbundenen Gruppen umzubauen, bevor in den n\u00e4chsten Zwischenwahlen, im November 2026, vielleicht wieder eine Parlamentskammer verloren geht. Auf der Internetseite https:\/\/www.project2025.org und den weiterf\u00fchrenden Links kann man die hierf\u00fcr bereitstehenden Pl\u00e4ne nachlesen. Trump selber ist hier vielleicht noch der bremsende Faktor. Denn es ist beispielsweise kaum anzunehmen, dass dem dreifach geschiedenen, in diverse Sexskandale verwickelten Expr\u00e4sidenten das Abtreibungsverbot ein echtes Herzensanliegen ist. Trump macht, was f\u00fcr Trump gut ist. Und er hat mehrfach gezeigt, dass er Projekte auch fallen l\u00e4sst, wenn sie ihm nicht nutzen. Deshalb ist es nicht genau vorhersagbar, was wirklich von der weitreichenden Agenda des Projektes 2025 umgesetzt wird. Doch einige Punkte, die Trump selber immer betont, werden im Falle seines Wahlsieges mit hoher Wahrscheinlichkeit angegangen werden. Auf diese greifbaren Fakten wollen wir unsere folgenden Analysen beschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erwarten wir im Falle von Trumps Wahlsieg die folgenden Ma\u00dfnahmen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Ausstieg aus dem Klimaschutzabkommen und Streichung der Gelder f\u00fcr den Green Deal<\/li>\n\n\n\n<li>Ausweitung der F\u00f6rderung fossiler Energietr\u00e4ger<\/li>\n\n\n\n<li>Verh\u00e4ngung von Z\u00f6llen auf Importg\u00fcter aus L\u00e4ndern, die kein Freihandelsabkommen mit den USA haben<\/li>\n\n\n\n<li>Bevorzugung amerikanischer Anbieter bei \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen<\/li>\n\n\n\n<li>Einschr\u00e4nkung auch bisher legaler Migration<\/li>\n\n\n\n<li>R\u00fcckf\u00fchrung illegal eingewanderter Personen<\/li>\n\n\n\n<li>Steuersenkungen f\u00fcr Personen und Unternehmen und eventuell Einf\u00fchrung einer 15% Kapitalertragssteuer<\/li>\n\n\n\n<li>Massive Vergr\u00f6\u00dferung des amerikanischen Atomwaffenarsenals unter Aufk\u00fcndigung bisheriger Abr\u00fcstungsvereinbarungen.<br>Entsprechend konservativer Think Tanks ist atomare Abschreckung die billigste und sicherste<br>Form der amerikanischen Verteidigungspolitik<br>Aus europ\u00e4ischer Sicht wirkt dieser Katalog extrem und doch ist vieles davon in den USA mehrheitsf\u00e4hig. Unsere Aufgabe<br>ist es nicht, hier anderen L\u00e4ndern Wahlempfehlungen zu geben, sondern uns \u00f6konomisch mit den Auswirkungen<br>solcher Programme zu besch\u00e4ftigen. Hierzu m\u00fcssen wir zun\u00e4chst einen Blick werfen auf die aktuelle Ausgangssituation<br>und nach Unterschieden zu den Gegebenheiten w\u00e4hrend Trumps erster Pr\u00e4sidentschaft suchen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Aktuelle Lage im Vergleich mit 2016<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vergleicht man die reinen Wirtschaftsdaten zur Zeit von Trumps erstem Wahlsieg und heute, dann f\u00e4llt auf, dass heute alle Preis- und Zinsfaktoren ein ganz anderes Bild aufzeigen als damals. Auch wenn 2016 schon acht Jahre hinter der Finanzkrise von 2008 lag, so waren doch noch die Auswirkungen zu sp\u00fcren und der Arbeitsmarkt hatte sich erst zu diesem Zeitpunkt wirklich erholt. Die Inflation war lange noch kein Thema und die Fed hatte 2016 erstmals wieder die Zinsen erh\u00f6ht, um dies mit kleinen Schritten in den n\u00e4chsten Jahren (bis zur Coronakrise) fortzusetzen, was allerdings jedes Mal die Emp\u00f6rung von Donald Trump hervorrief, der hier klar eine Verschw\u00f6rung gegen seine Wirtschaftspolitik erkannte. Heute dagegen sind die Preisanstiege und damit die Zinsen eine der wichtigsten \u00f6konomischen Themen. Dieses Thema ist so wichtig, dass auch die gro\u00dfe Unbeliebtheit des amtierenden Pr\u00e4sidenten Joe Biden mit auf dieses Thema zur\u00fcck zu f\u00fchren ist. Durch die Inflation empfinden viele Amerikaner, dass es ihnen heute schlechter als vor vier Jahren geht.<br>Den Vergleich der wichtigsten Wirtschaftsdaten damals und heute zeigt die n\u00e4chste Tabelle:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"634\" height=\"184\" src=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1232\" srcset=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-8.png 634w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-8-300x87.png 300w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-8-18x5.png 18w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Weshalb kann bei Trump die Inflation gef\u00e4hrlich werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir die zu erwartenden Ma\u00dfnahmen einer Trump Regierung betrachten, dann weisen sie \u00f6konomisch in eine Richtung. Verringerung des Arbeitsangebots durch Abschottung und Stimulierung der Wirtschaft durch niedrigere Steuern. Dazu noch Schutz vor ausl\u00e4ndischer Konkurrenz, was dem Preiserh\u00f6hungsspielraum der Unternehmen zu Gutekommen sollte. Wenn man noch bedenkt, dass diese Ma\u00dfnahmen jetzt auf einen schon angespannten Arbeitsmarkt treffen, dann stellt sich automatisch die Frage, was dies f\u00fcr die Lohnkosten und damit letztendlich f\u00fcr die Inflation, die Zinsen und den US-Dollar bedeutet. Den Zusammenhang zwischen der Verf\u00fcgbarkeit von Arbeitskr\u00e4ften und Preisanstiegen wollen wir im Folgenden n\u00e4her betrachten. Die n\u00e4chste Graphik zeigt als blaue Punkte die monatlichen Kombinationen aus Arbeitslosenquote (x- Achse) und Inflationsrate (y-Achse). Dazu als rote Linie die Trendgerade durch den Ereignisraum.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"639\" height=\"316\" src=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-10.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1234\" srcset=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-10.png 639w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-10-300x148.png 300w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-10-18x9.png 18w\" sizes=\"(max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Was man schon auf den ersten Blick gut erkennt, ist, dass die richtig hohen Inflationsraten auch nur bei niedrigen Arbeitslosenzahlen zustande kommen. Doch einen deterministischen Zusammenhang gibt es nicht. Daf\u00fcr ist die Schwankung um die Trendlinie zu hoch. Um hier zu besseren Aussagen zu kommen, wollen wir in einem zweiten Schritt betrachten, welche Auswirkungen niedrige Arbeitslosigkeit auf die Verteilung der dann m\u00f6glichen Inflationsraten haben. Die folgende Graphik zeigt die prozentuale Verteilung der Inflationsraten \u00fcber den gesamten Beobachtungszeitraum von 33 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"642\" height=\"318\" src=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-11.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1235\" srcset=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-11.png 642w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-11-300x149.png 300w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-11-18x9.png 18w\" sizes=\"(max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Verteilung der Inflationsraten ist ann\u00e4hernd symmetrisch mit leichter Rechtsverschiebung. Auf dieser Datenbasis k\u00f6nnte man mit hinreichender Bestimmtheit eine Normalverteilungsannahme noch akzeptieren. In einem weiteren Schritt haben wir jetzt die Verteilung bestimmt mit der Pr\u00e4misse, dass wir nur Realisationen betrachtet haben, bei denen die Arbeitslosenquote 4,1% oder niedriger lag. Diese bedingte Verteilung (rote S\u00e4ulen) haben wir der urspr\u00fcnglichen Verteilung (blaue S\u00e4ulen) gegen\u00fcbergestellt.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"639\" height=\"316\" src=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-12.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1236\" srcset=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-12.png 639w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-12-300x148.png 300w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-12-18x9.png 18w\" sizes=\"(max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Neben einer Mittelwertverschiebung der roten Verteilung ist hier bemerkenswert, dass diese nicht mehr symmetrisch ist, sondern stark Rechtsschief. In der \u00f6konomischen Interpretation bedeutet dies, dass bei solchen Voraussetzungen niedrige Inflationsraten unterhalb der Zielinflation der Notenbank von 2 Prozent kaum noch vorkommen und \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum fast sicher nicht zu erwarten sind. Stattdessen ist die Wahrscheinlichkeit stark gestiegen, dass es zu deutlichen Ausbr\u00fcchen der Inflationsrate nach oben kommt, wenn fortw\u00e4hrend eine Wirtschaftspolitik betrieben w\u00fcrde, die vor allem auf die Steigerung der Wirtschaftsleistung abzielt. Genau hier liegt das Inflationsrisiko der geplanten Trumpschen Wirtschaftspolitik. Wenn man mit Abschottung und Stimulierung der eigenen Wirtschaft Wohlstand schaffen will und gleichzeitig aber auf eine Situation trifft, in der der Arbeitsmarkt schon angespannt ist, dann muss sich dieser wirtschaftliche Druck irgendwohin entladen. Sollte es nicht zu einer Rezession, aus welchem Grund auch immer, kommen, die die G\u00fcterm\u00e4rkte entspannt, dann bleibt fast nur noch die Preisentwicklung. Man kann hier entgegnen, dass einem solchen Szenario in den USA immer noch die unabh\u00e4ngige Notenbank entgegensteht, die anziehende Inflation mit steigenden Zinsen bek\u00e4mpfen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p> Ob eine solche Kombination der bedeutendsten Institutionen, die Regierung, die mit aller Kraft den Arbeitsmarkt anschiebt und die Notenbank, die diese Effekte direkt wieder neutralisieren will, dauerhaft haltbar w\u00e4re, ist zumindest Zweifelhaft. Besonders wenn man bedenkt, dass im Mai 2026 die Amtszeit des derzeitigen Vorsitzenden der Notenbank Jerome Powell endet. Dessen Posten k\u00f6nnte dann Trump, mit einem sicher gro\u00dfartigen Kandidaten, neu besetzen. K\u00e4me es zu der Situation, dass sich die Notenbank freiwillig den politischen W\u00fcnschen der Regierung unterordnet, dann w\u00e4ren der Inflation erst recht alle T\u00fcren ge\u00f6ffnet. Wohin ein solcher Weg die Wirtschaftsentwicklung und Preise f\u00fchren w\u00fcrde? Kaum vorherzusagen. Doch wir k\u00f6nnen hier als Analogie zumindest ein Beispiel aus einem Land diesseits des Atlantiks anf\u00fchren, in dem auch nationale Gr\u00f6\u00dfe und Wohlstand auf Pr\u00e4sidentengeheis gesteigert werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Feind der Zinsen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Land, von dem ich spreche, ist nat\u00fcrlich die T\u00fcrkei mit seinem Pr\u00e4sidenten Recep Erdogan. Dieser hatte als Ministerpr\u00e4sident betr\u00e4chtliche Erfolge durch Liberalisierung der Wirtschaft und zunehmende Baut\u00e4tigkeit erzielt. Ab Juni 2018 f\u00fchrte er in der T\u00fcrkei, nach einer Volksabstimmung, ein Pr\u00e4sidialsystem ein, das er als Pr\u00e4sident anf\u00fchrt. Ab diesem Juni 2018 beginnt unsere folgende Betrachtung. Denn jetzt stand nicht nur die eigentliche Wirtschaftsentwicklung, sondern auch die Wiederkehr zu nationaler Gr\u00f6\u00dfe in der Tradition des Osmanischen Reiches im Vordergrund. Um diese Ziele zu erreichen, setzte Erdogan auf staatliche Investitionen, eine verbesserte Exportf\u00e4higkeit durch eine schwache W\u00e4hrung und eine laxe Geldpolitik. Er selbst erkl\u00e4rte sich zum \u201eFeind der Zinsen\u201c, da gerade hohe Zinsen die Inflation anfeuern w\u00fcrden. Die T\u00fcrkei erreichte in den vergangenen Jahren ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von \u00fcber 5 Prozent p.a. Heute nimmt die T\u00fcrkei den 18. Platz unter den gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften der Welt ein, zwischen den Niederlanden und Saudi-Arabien. Trotz Bev\u00f6lkerungswachstums konnte die Arbeitslosigkeit leicht gesenkt werden, da ca. 4 Mio. neue Stellen geschaffen wurden. <\/p>\n\n\n\n<p>Die andere Seite dieser Wirtschaftspolitik hie\u00df Inflation. Zwischen Juni 2016 und heute liegt die durchschnittliche Inflationsrate bei 29,6 Prozent p.a., mit annualisierten Werten von \u00fcber 80 Prozent in 2022 und aktuell auch wieder \u00fcber 70 Prozent. Solch hohe Inflationsraten konnte auch Erdogan nicht mehr ignorieren, weshalb er nach der n\u00e4chsten gewonnenen Pr\u00e4sidentschaftswahl 2023 den Kurs \u00e4ndern lie\u00df. Heute bek\u00e4mpft die t\u00fcrkische Notenbank die Inflation mit Zinss\u00e4tzen von \u00fcber 50 Prozent. Welche Auswirkungen das auf die t\u00fcrkische Entwicklung hat, wird sich noch entscheiden m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich sind die USA alleine von ihrer Gr\u00f6\u00dfe her nicht direkt mit der T\u00fcrkei zu vergleichen und solche Inflationsdaten wird wohl auch Trump nicht schaffen. Aber der Sinn solcher Vergleiche ist nicht eine Punktprognose, sondern lediglich, Tendenzen auf zu zeigen. Und diese k\u00f6nnen wir erkennen. F\u00fcr uns als Asset Manager war in diesem Vergleich aber auch die Frage interessant, wie sich der Anleger bei einer solchen Entwicklung verhalten sollte. Dass bei hohen Inflationsraten Anleihen und andere Nominalwerte Probleme bekommen, liegt auf der Hand. Aber wie sieht es mit den Aktien aus? Aktien sind Sachwerte, deren Gewinnentwicklung sich aus der nominalen Wirtschaftsentwicklung (reales Wachstum + Preisanstieg) speist. Erst steigende Zinsen sind hier die eigentliche Bremse der Kursentwicklung. Und da in der T\u00fcrkei die Inflation lange ignoriert wurde und die Zinsen niedrig blieben, ergab sich f\u00fcr den t\u00fcrkischen Aktienmarkt eine beeindruckende Entwicklung. <\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende Graphik zeigt den Anstieg des Istanbuler Aktienindex (wei\u00dfe Linie) seit dem 22.06.2018 als wei\u00dfe Linie, mit einem durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Kursanstieg von 54%.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"647\" height=\"362\" src=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-14.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1238\" srcset=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-14.png 647w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-14-300x168.png 300w, https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/image-14-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 647px) 100vw, 647px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei diesem beeindruckenden Durchschnittswert muss man aber bedenken, dass der Kursverfall der t\u00fcrkischen W\u00e4hrung die Ergebnisse eines ausl\u00e4ndischen Anlegers massiv geschm\u00e4lert h\u00e4tte. Die orange Linie in der vorangegangenen Graphik zeigt das Ergebnis des Istanbuler Aktienmarktes nach Umrechnung in EUR. Hier bleiben von den 54 Prozent p.a. nur noch 12,96 Prozent p.a. \u00fcbrig. Die Differenz ist der W\u00e4hrungsverlust, der sich in der Graphik als Unterschied zwischen der wei\u00dfen und der orangen Linie ergibt. Doch so schlecht w\u00e4ren diese 12,96 Prozent w\u00e4hrungsbereinigt auch nicht gewesen. Denn zum Vergleich als d\u00fcnne gelbe Linie hat der EuroStoxx 50 nur 9,67 Prozent p.a. im selben Zeitraum zulegen k\u00f6nnen. Doch auch dieser Vergleich hinkt noch. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn die gef\u00e4hrlichste Phase, der hier beschriebenen Inflationsentwicklung, liegt noch vor der t\u00fcrkischen Wirtschaft und vielleicht auch, viel weiter in der Zukunft, auch vor der amerikanischen. Dies ist die Phase, in der die Geldpolitik versucht, die Inflationsentwicklung wieder einzufangen. Den USA ist dies in den letzten Jahren weitgehend gelungen. Es gibt aber gen\u00fcgend Beispiele aus der Vergangenheit, wo eine solches Abbremsen in Rezession und Crash endeten. Aus meiner Sicht ist Wirtschaftspolitik, wie das Steuern eines Kanus im Wildwasser. Wer meint dort mit einem Schlachtschiff durchfahren zu k\u00f6nnen, l\u00e4uft Gefahr schnell auf Grund zu laufen. Und diese F\u00e4lle sind es, auf die man als Risikomanager vorbereitet sein muss. Auch dann, wenn man hofft, dass sie nicht eintreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kay-Peter T\u00f6nnes<br>Bad Homburg v.d.H., den 12.07.2024<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.antecedo.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Antecedo-Newsletter-02_2024.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF Laden<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon in unserem Jahresausblick f\u00fcr 2024 hatten wir die Wahlchancen von Trump und Biden mit 60 zu 40 beziffert.<br \/>\nUnd nach dem f\u00fcr Biden desastr\u00f6sen ersten Fernsehduell haben sich dessen Wahlchancen eher noch verschlechtert.<br \/>\nEs besteht nat\u00fcrlich immer noch die M\u00f6glichkeit, dass Biden Pr\u00e4sident bleibt, wenn die \u201eblaue Mauer\u201c aus den n\u00f6rdlichen<br \/>\nSwing States h\u00e4lt, doch sehr wahrscheinlich ist dies nicht. 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